Paddeln

Seit 2008 bin ich mit Begeisterung mit dem Paddelboot unterwegs. Die erste Tour hat mich von Neuburg an der Donau nach Wien geführt, die zweite auf der Donau durch Ungarn und irgendwann war es Zeit für die ersten Touren am Meer. Inzwischen bin ich mit Gabi gemeinsam in einem Point 65 Mercury Zweier unterwegs oder trainiere mein Gleichgewicht auf einem Kape Spirit 51.
Anbei zwei Tourenbeschreibungen meiner beiden Mittelmeerkreuzfahrten 2012 und 2014, vielleicht fasse ich die anderen Urlaube auch mit ein paar kleinen Übertreibungen zusammen!

Paddeln auf der Krutina, masurische Seenplatte

Trogir – Dubrovnik 2014

Wie viele Kilometer muss man paddeln um den Beinamen ‘der Seefahrer’ tragen zu dürfen?
Diesmal habe ich eine Woche Zeit und habe mir in den Kopf gesetzt, die kroatische Küste von Split bis Dubrovnik zu erkunden. Mit dem totalen  Anfängerglück beim Paddeln ist es inzwischen vorbei – entsprechend besser ist auch meine Vorbereitung. Das neue Boot verdient  den Ausdruck ‘seefest’ und an der Ausrüstungsschraube wurde sowieso fleißig gedreht – das macht ja bekanntlich mehr Spass wie das Üben von Eskimorollen. Die beherrsche ich immer noch im Costa Concordia Stil: der Captain verläßt als erster das kippende Schiff und dann braucht es viele technische Hilfsmittel, um das Boot wieder aufzurichten.

In Seget bei Trogir sitze ich zuerst auch einmal fest, zwar nicht auf einem Felsen wie die Costa sondern nur am Campingplatz, aber eine Gewitterfront folgt auf die andere und  ich warte auf ein Wetterfenster, das mich zumindest zur nächsten Insel kommen läßt. Somit habe ich Zeit mir die kroatische Küste vom Auto aus anzusehen und ich erforsche Primosten (mit dem schönsten Friedhof für Seefahrer der Welt), Sibenik und Trogir. Die Zeit verinnt und das Wetter wird nicht besser – dafür die  virtuellen Tagesetappen um Dubrovnik  zu ereichen  jeden Tag ein bisschen länger….

Am Dienstag ziehen die Gewitter endlich ab, der kroatische Seewetterdienst verspricht ein paar Tage mit leichtem bis mäßigen Seegang, sagt die Gewitter nur im Norden voraus und kündigt schwachen bis mäßigen Wind und gutes Segelwetter an, klingt ja auch nicht so schlecht!

Leider ist gutes Segelwetter  kein gutes Paddelwetter und mäßiger Wellengang bei den Kroaten bedeutet Wellenhöhen bis 2.5 Meter – aber egal – ich habe vom herumsitzen genug und will wissen wieviele Höhenmeter es bis Dubrovnik sind!
Der barometrische Luftdruckmesser am GPS addiert kontinuierlich meinen Weg durch die Wellen auf und am Ende stehen 4500 Hm auf meiner Bilanz. Das macht bei 250 Km einen Höhenunterschied von 18 Meter am Kilometer. Das ist wohl der Grund, dass es hie und da so zäh weiter gegangen ist. Dass Dubrovnik so viel höher liegt wie Split bleibt mein Geheimnis, das ich keinem Kartographen verrate!
Zugegebenermassen ist es in Früh immer ruhig und daher läutet der Wecker jeden Tag schon vor 6:00 um die Morgenstunden am Meer nutzen zu können. Erst ab ca 10:00 frischt der Wind auf und die Segler kommen aus ihren Häfen.
Meine Route führt mich diesmal  über Solta, Brac, Hvar und weiter auf die Halbinsel Peljeska und entlang von Sipan weiter in den Süden.
Mit meiner Routenplanung bin ich ja an sich ganz zufrieden, ich laufe in entzückende Buchten und verschlafene Hafenstädtchen ein, finde einsame Strände und kilometerlange Steilküsten. Zugegebenermaßen gibt es mehr felsige Küsten als schöne Strände – aber sonst wäre es ja nicht Kroatien! Leider schwebt das Damoklesschwert der Fähre am Sonntag morgen und die beruflichen Termine in der Folgewoche über mir – statt Bier gibt es Mineralwasser und statt üppiger Fischplatten Kohlehydrate – der Zeitplan ist leider extrem straff diesmal und 50 – 60 km stehen jeden Tag am Plan.

Bei meiner Pause auf Sipan unterhalte ich mich mit kroatischen Motorbootfahrern, die mir erzählen, das für den nächsten Tag Südwind bis 80 km/h zu erwarten ist. Ich lege deshalb noch eine extra Etappe ein und probiere so nahe wie möglich nach Dubrovnik zu kommen. Ein aufziehendes Gewitter stoppt mich, der Schlafplatz verdient seine Bezeichnung nicht – aber ich liege immerhin nur 5 km vor Dubrovnik.

In der Nacht ziehen dann wie vorausgesagt weitere Gewitter über die Küste. In der Früh nütze ich ein Wetterfenster um die letzten Meter in den Hafen von Dubrovnik zu schaffen – meiner Fähre nach Split winke ich freundlich zu – aber immerhin bin ich am Ziel. Auf der einen Seite des Hafenbeckens liegt die Costa Fomosa, und einige Luxusyachten – auf der anderen ein paar Fischerboote und mein kleines grünes Tiderace – die Burg von Dubrovnik habe ich diesmal nicht erobert sondern mich still und heimlich in den Hafen geschlichen – den Ehrentitel Seefahrer habe ich mir nicht verdient.

Resümee:
Diesmal war ich nicht nur in einem besseren Boot und mit geeigneterer Ausrüstung unterwegs, sondern wurde auch von der Zentralanstalt für Metreologie und Geodynamik 2 mal täglich mit Wettervorhersagen und Unwetterwarnungen per SMS versorgt. Auch wenn die Bedingungen diesmal viel ungünstiger waren wie bei der Kreuzfahrt Riejeka  – Split war ich doch in Summe sicherer und besser organisiert unterwegs. An den Tagesetappen und der Tourenplanung muss ich vielleicht noch arbeiten, Fischteller und kroatische Weine statt Packerlsuppen und Nudeln ist die Devise für die nächste Tour: Triest  – Riejeka: ich freu mich!!!

Tag 1: Seget Vranjica am Camping Belvedere – Solta: Schlafplatz in super Bucht, hoher Wellengang
Tag 2: Solta  – Hvar: Kap der guten Aussicht und viel Seitenwind und Wellen
Tag 3: Rund um die Ostspitze von Hvar: auch Fischer haben ihre Verstecke (und Mülldponien)
Tag 4: Hvar – Peljeska: schöne Bucht hinter dem Leuchturm, aber Sturm darf keiner kommen…
Tag 5: Peljeska – Kolocep: Monsteretappe, Gewitter vor der letzten Etappe nach Dubrovnik
Tag 6: Kolocep – Hafen Dubrovnik: auch Dubrovnik hat eine häßliche Seite, Gewitter und Wind

Paddelstrecke: 252 km
Höhenmeter in den Wellen: 4500 Hm (rauf und wahrscheinlich auch wieder runter)
Durchschnittliche Geschwindigkeit: 5.3 km/h
Maximale Geschwindigkeit: 11 km/h
Paddelzeit: 4 Tage und ein paar zerdrückte Stunden am ersten und letzten Tag
1 kg Nudeln
4 Packerlsuppen
18 Liter Mineralwasser
1 Liter Wein
ein paar Bierdosen
10 Schokoladen
14 Fruchtschnitten (Darbo)
12 Mars/Snicker
3 glückliche Wirte

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Bild 2 von 8

Mittelmehrkreuzfahrt 2012:

Kreuzfahrten liegen im Trend und und da kann ich natürlich nicht zurückstecken. Die Karibik ist mir zu weit weg also bleibt eigentlich nur das Mittelmeer. Die Auswahl des Schiffes fällt mir auch nicht leicht, zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Teile verbaut sind, die wir in Österreich abgenommen haben – da bleibt mir eigentlich nur das eigene Boot ….

Jadranka ist mit ihren Eltern in der Vorwoche segeln und spielt meinen aktuellen Wind- und Wetterspion, den Nachmittagswind auf den Kornaten bezeichnet sie als: da kann man richtig segeln, weiters berichtet sie von Wellen bis zu 2 Metern – das kann ja lustig werden. Ich gehe selber noch einmal auf die Donauinseln und übe Kenterungen, die ich eigentlich ganz gut beherrsche, nur mit dem Wiedereinstieg ins  Boot hapert es noch. Dabei verstreue ich noch meine Ausrüstung und lerne einiges über Ladungssicherheit. Das Ziel ist auf alle Fälle klar, ich will mit trockenen Haaren wieder heimkommen. Damit mir das gelingt verschiebe ich gleich einmal den Reisestart. Ein Tief liegt über dem Mittelmeer und der Seewetterdienst sagt eine Bora voraus – keine Bedingungen für eine Landratte wie mich.

Zur Reiseroute:

Die glorreiche österreichische Marine, hatte ihren Stützpunkt in Pula, der Österreichische Lloyd war in Triest daheim – trotzdem will ich in Rijeka starten – liegt einfach günstiger. Ich finde zwar eine Stelle wo ich in Hafennähe ins Wasser komme und auch einen Parkplatz – richtig perfekt ist‘s aber nicht für den Start. Somit geht es weiter zur Insel Krk, wo ich auf der Suche nach Konsonanten und einem Campingplatz am Wasser bin, das zweite funktioniert und für 40 Kuna am Tag habe ich einen sicheren Parkplatz.

Ziel ist es der Insel Krk zu folgen, dann nach Rab und Pag zu wechseln und dann über einen eleganten Bogen über die Kornaten in der Hafenstadt Split einzulaufen. Klingt wieder einmal wie beim Bergsteigen ganz einfach: ins Boot einsteigen – losfahren – anlegen – Bier trinken …

Bei der ersten Abkürzung ( ich will eine Bucht nicht am Ufer ausfahren) komme ich gleich ins erste Gewitter und lerne die ersten Lektionen: eine Schwimmweste und eine Spritzdecke die im Deck verpackt sind kann man sicher nicht mehr anziehen wenn man es will, so ein Paddel will wirklich mit zwei Händen gehalten werden wenn die Böen von hinten kommen. Das Gewitter treibt mich zu neuen Höchstleistungen und im letzten Moment bevor es losgeht erreiche ich das rettende Ufer. Der Papst hat sicher Flugangst, wenn er nach jeder Landung den Boden küsst, ich zeige den ebenfalls in der Bucht wartenden Motorbootfahrern jedenfalls meine Erleichterung nicht und surfe cool an den Kiesstrand. Dass ich nach zwei Stunden Zwangspause dann mit Spritzdecke und Schwimmweste wegfahre fällt den Biertrinkenden Bootsfahrern nicht auf.

Krk kenn ich von der Testtour im letzten Jahr, und so spule ich routiniert die Meter ab. Nach ca 40 km, vor der Ortschaft Krk, finde ich noch einen romantischen Schlafplatz und freue mich auf den nächsten Tag und die ersten längeren Passagen zwischen den Inseln.

In Stara Baska sitzen die Gäste noch beim Frühstück – ich kann den Koch überreden mir ein paar Calamari zu grillen und bestelle mir unter verwunderten Blicken ein erstes Bier.

Bei Paddeltouren ernähre ich mich ganz gern von Fischen, besser ich esse sie als sie mich und außerdem bilde ich mir ein dass es schneller macht …. da habe ich ja mit den kleinen Tintenfischen eine perfekte Wahl getroffen.

Bevor ich diesmal das sichere Ufer verlasse, drehe ich mich nochmals um und prüfe den Himmel auf Anzeichen von Gewittern, schließe die Spritzdecke und bin echt überrasch wie schnell ich dazulerne. Der Wind wird im Laufe des Tags stärker, aber ich genieße die Überfahrt und lasse gleich 2 Inseln und eine Bucht ganz links liegen.

Wie von Jadranka angekündigt kommt gegen 15 Uhr der Schönwetterwind aus Nordwest, die Wellen werden höher und ich habe meinen Spass in den Wellen. Die Küste ist zwar steinig, aber es gibt genügend Anlegemöglichkeiten und auch den entsprechenden Platz für Fehler. Ich weiß, dass die Wellen in den Kornaten höher sein werden und lerne das Verhalten meines Boots immer besser kennen und ernte den ersten Applaus von Touristenbooten.

Die nächsten Tage bringen keine Highlights, ich arbeite mich die Küste nach unten, sitze stundenlang im Boot, freue mich über Häfen und Kaffeehauser, schattige Plätze zum Rasten und gehe sogar einmal bis zum Bauch ins Wasser, das Ziel heißt ja nach wie vor mit trockenen Haaren in Split anzukommen.

Kurz vor Zadar biege ich nach Südwesten ab, ich fühle mich für den Kornaten Ausflug gut genug vorbereitet. Ein kurzer Anruf in Wien bei Wolfgang bestätigt mir den guten Wetterbericht.

An der Südspitze der Insel Dogi finde ich eine romantische Bucht, die ich gegen 22:00 ansteure. Für die Hitze untertags bin ich einfach nicht gebaut, ich paddle in der Früh und am Vormittag und fühle mich am Nachmittag in diversen Gaststätten im Schatten am wohlsten. Die Paddeleinheit am Abend macht dann wieder richtig Spass und irgendwie finde ich dann meist doch noch einen brauchbaren Platz für Boot und Zelt. Wegen der Hitze (oder genauer gesagt wegen dem Bier, das ich wegen der Hitze trinke) habe ich auch keine Probleme einzuschlafen ….

Jeder Kroationprospekt hat ein Bild der Kornaten und das mit Recht, den nächsten Morgen genieße ich und cruise zwischen diversen Inseln am stillen Meer. Der Hafen und Ankerplätze – Atlas von Karl-H Beständig versorgt mich mit zusätzlichen Informationen, so wird die 70 Meter Klippe der Insel Manu und eine uriges Wirtshütte in die Reiseplanung aufgenommen.

Beim aufkommenden Maestral bin ich mit Schwimmweste gut vorbereitet. Um es kurz zu machen, Fotos gibt es keine mehr und ich habe mich schnell hinter den vorgelagerten Inseln versteckt. Um bei dem Seegang Spass zu haben ist ein Beiboot in Red-Bull Lackierung zwar sicher nicht Vorausetzung, aber erleichtert einiges.

Ich schlage einige Rettungsangebote aus, bin aber nach 3 Stunden Kampf mit Wind und Wetter ganz schön erledigt. Eine Marina lädt zur Erholung ein und nach einer ausgiebigen Pause setze ich auf nachlassenden Wind und paddle im Schutz einer vorgelagerten Insel weiter.

Was dann folgt, würde man in den Alpen als Notbiwak bezeichnen, weder Wind noch Wellen lassen nach und ich suche mir äußersten Ende der Insel ein Kehrwasser, in dem ich mich ohne allzuviel Haut zu verlieren ans Ufer schwindeln kann. Zelt geht sich keines aus, aber ich habe schon schlechtere Nächte verbracht. Ich opfere mein Flasche Wein (in Wahrheit nur einen kleinen Schluck) an die Meergötter und hoffe am nächsten Morgen bei Windstille die in Wahrheit kritischte Passage der Tour zu meistern.

Am nächsten Morgen ist der Wind schwächer, die Wellen sind nach wie vor da aber es schaut ganz gut aus. Leider liegt mein Hafen jetzt in den Wellen, nach einem Mühsamen umtragen finde ich aber eine sicher Stelle für einen Start zur Passage zur Insel Zirje.

Tagesziel ist diesmal wieder das Festland, wo bei ich inzwischen dazu neige, auch Inseln als festes Land zu bezeichnen. Zwischendrin sitze ich dann wieder ein paar Stunde auf einer Insel und warte bis der Wind nachlässt. Der Rückenwind macht mich zwar schnell, aber kurze steile Wellen von hinten mag mein Boot, das auf den sinnigen Namen „The North Face“ hört, überhaupt nicht, was aber auch daran liegt, dass es sich um keine „North Waves“ handelt!

Nach 1.5 Tagen ohne besondere Vorkommnisse (außer dass ich einer Frau das Motorboot rette, einige kroatische Biere trinke, fast ein Containerschiff ramme, …) wird in Split wieder einmal (eine) Geschichte geschrieben. Knapp hinter der Costa Classica schwindelt sich ein kleines Tourenboot in das Hafen und weckt mindesten so viel Aufsehen wie die Superyachten der Reichen und Dicken.

Heimreise:

2 Mal pro Woche gibt es eine Fähre nach Rijeka, eine habe ich um einen halben Tag versäumt. Bus will mich auch keiner mitnehmen und so habe ich noch 3 Urlaubstage in Kroatien gewonnen. Split ist eine großartige Stadt, aber am schönsten ist es in den Kellergewölben des Dioklezian Palastes (da schön kühl) und am Glockenturm (schön luftig). Gasthäuser gibt es auch und am Campingplatz in Stobrec finde ich eine Pizzeria mit schattigen Gastgarten am Meer, und dort gefällt es mir dann fast so gut wie im Kajak!

Sonntag abends geht‘s dann mit der Fähre Liburnija (228 Kune für das Boot, 169 Kune für mich) zurück nach Rijeka. Die erkundete Einstiegsstelle ist auch noch da und so schummle ich mich am Montagmorgen aus dem Hafen, die letzten 15 km zum Auto nach Krk warten.

Zusammenfassung:

Meine Mittelmeerkreuzfahrt reiht sich nahtlos in die großen Abenteuer wie die Urlaube in Zermatt, Chamonix, Island, Elbrus, Wien-Nizza, Biking Monte Rosa, … ein.

Einzig der Blick in die Berge und das Bier danach machen in den Bergen einfach noch mehr Spass ….